Herbstblätter
Herbstblätter
I. Das Fallen
Goldene Blätter treiben hinab wie Erinnerungen,
Jedes ein Moment gehalten, dann losgelassen.
Die Bäume wissen, was wir vergessen —
Dass Loslassen nicht Verlust ist,
Sondern Verwandlung.
Rot und orange tanzen sie hinab,
Eine Feier der Enden,
Ein Versprechen, dass Frühling wieder kommt.
Wir sehen sie fallen und denken an Tod,
Aber die Bäume wissen es besser —
Das ist nur die Pause zwischen Atemzügen.
II. Morgenfrost
Herbstmorgen kommen mit silbernen Warnungen,
Frost, der Blätter zum Abschied küsst.
Das Jahr altert, würdevoll,
Lehrt uns, wie man alt wird —
Mit Farbe, mit Schönheit,
Mit Akzeptanz dessen, was sein muss.
Ich gehe durch gefallene Blätter
Und höre sie flüstern:
Wir hielten fest, so lange wir konnten,
Wir tanzten in des Sommers Licht,
Nun ruhen wir,
Nähren Wurzeln, die wieder blühen werden.
III. Der letzte Baum
Ein Baum hält seine Blätter am längsten,
Stur gegen der Jahreszeit Ruf.
Ich verstehe diesen Baum —
Das Zögern vor Veränderung,
Die Angst vor dem, was danach kommt.
Aber auch dieser Baum muss schließlich
Dem Kreislauf vertrauen,
Muss glauben, dass nackte Äste
Nicht Enden sind, sondern Anfänge,
Dass Winters Kargheit
Raum schafft für Frühlings Fülle.
IV. Nachmittagslicht
Goldene Stunde im Herbst
Ist anders als Sommers Glühen —
Da ist Melancholie in der Schönheit,
Ein Bewusstsein, dass nichts ewig währt.
Aber macht das sie nicht kostbar?
Die vergängliche Natur des Herbstes
Erinnert uns, aufzupassen,
Gegenwärtig zu sein in der Schönheit
Bevor sie fort ist.
Ich fotografiere die Blätter,
Versuche zu halten, was nicht gehalten werden kann,
Lerne, dass manche Dinge
Nur bezeugt werden sollen,
Nicht besessen.
V. Novemberregen
Regen wäscht die letzten Blätter hinab,
Herbst ergibt sich dem Winter.
Die Bäume stehen nun kahl,
Ehrlich in ihrer Leere,
Geben nicht länger vor,
Etwas anderes zu sein als was sie sind.
Da ist Freiheit in dieser Kargheit,
Eine Ruhe verdient nach Jahreszeiten des Wachsens.
Die Bäume lehren uns:
Manchmal sieht Stärke aus wie Loslassen,
Manchmal bedeutet Weisheit
Zu wissen, wann man aufhört zu drängen,
Wann man still steht,
Wann man wartet.
VI. Erinnerung an Grün
Ich erinnere mich, als diese Äste
Schwer waren mit grünem Leben,
Als Sommer endlos schien.
Nun, in Novembers Grau,
Fühlt sich das Grün an wie ein Traum.
Aber die Bäume erinnern sich.
Tief in ihren Wurzeln
Tragen sie Sommer vorwärts,
Bewahren ihn sicher durch den Winter,
Bereit wieder zu blühen
Wenn die Zeit richtig ist.
Das ist Widerstandsfähigkeit —
Nicht sich weigern zu ändern,
Sondern vertrauen, dass Wandel
Teil eines endlosen Kreislaufs ist
Der immer nach Hause kommt.
VII. Erster Schnee auf gefallenen Blättern
Schnee fällt auf gefallene Blätter,
Bedeckt Herbst mit Winters Weiß.
Zwei Jahreszeiten treffen sich, überlappen,
Verwischen die Grenzen, die wir ziehen
Zwischen Enden und Anfängen.
Nichts endet sauber.
Herbst verweilt im Winter,
Genau wie Frühling auftauchen wird
Bevor Winter wirklich endet.
Leben bewegt sich nicht in ordentlichen Kapiteln —
Es fließt, es überlappt,
Es trägt Stücke jeder Jahreszeit
In die nächste.
Und vielleicht ist das die wahre Lektion
Der Herbstblätter —
Nicht dass Dinge enden,
Sondern dass alles immer
Endet und beginnt
Zur gleichen Zeit.
VIII. Was die Blätter wissen
Die Blätter kennen Geheimnisse,
Die wir Lebenszeiten brauchen zu lernen:
Dass Schönheit und Tod
Nicht Gegensätze sind,
Dass die lebendigsten Farben
Kurz vor dem Fall kommen,
Dass würdevoll loslassen
Seine eigene Art Triumph ist.
Sie wissen, dass ihr Fallen
Die Wurzeln nährt,
Dass ihr Tod
Zukünftiges Leben nährt,
Dass nichts verschwendet wird
In der Natur perfekter Wirtschaft.
Wenn wir nur lernen könnten
Zu fallen wie Blätter —
Schön, vollständig,
Vertrauend, dass unser Ende
Jemand anderes Anfang ist,
Dass unser Loslassen
Raum macht für neues Wachstum,
Dass jeder Herbst
Einen Frühling verspricht.